Evyatar Banai - Yiesh li zikui
יש לי סיכוי להינצל אני יודע
אני אוכל להתעורר להתפכח
אני אוכל עוד לדבר באהבה
על עצמי ועל העיר ועל אשה
כבר עכשיו אני פחות כועס
וגל שקט של רגש מתפקע
אמא שרה לבן בלילה
אמא כאן לידך כל הזמן
אני מרגיש שמשהו משתנה
העייפות תחלוף האור יעלה
ואז אכיר אותך יקירתי
ומיד תכירי את אותי
תמיד פחדתי להשתגע
שהלב יקפא ויתרוקן
אבל עכשיו כמו שאני יושב
יש לי סיכוי להינצל אני חושב
Yiesh li zikui lehinatzel ani yodea
Ani ukhal lehitorer lehitpakeach
Ani ukhal od ledaber vehavah
Al etzmi ve-al hair ve-al ishah
Kvar akhshayv ani pachot koez
Vegal shaket shel ragesh mitpakea
Ima sharah laben balaylah
Ima kan leyodcha kol hazman
Ani margish shemashuv mishtaneh
Ha'ayefut tachlof ha'or ya'aleh
Ve'az akir utach yekirati
Umyad tekiri at uti
Tamid pachadeti lehishtage'a
Shehalev yikpa veyitorbken
aval akhshayv kemo shani yushev
Yiesh li zikui lehinatzel ani khoshev
Y a de la chance d'être sauvé, je le sais
Je peut m'éveiller tout dégrisé
Je peut toujours parler des louanges
De moi-même et de cette ville et de cette femme
Maintenant, je suis moins fâché, moi
Une vague des émotions tranquilles me baigne
Mère Sarah, c'est une nuit blanche
Mère, j'étais chez toi tout le temps
J'éprouve quelque chose se changer
La fatigue sera débusquée par la lumière
C'est là que je me présenterai, bien-aimée
Et tu me connaîtras
Depuis toujours, j'ai eu peur de devenir fou
Que mon cœur s'efface dans le froideur
Mais maintenant comme je m'y arrête
Y a de la chance d'être sauvé, je crois
Freitag, 6. November 2009
אביתר בנאי - יש לי סיכוי (J'ai la chance d'être sauvé)
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Montag, 2. November 2009
All die Farben #15 - Mutters kurzer Trost
Diese Episode gefällt mir noch nicht so gut, wie sie es sollte. Viel mehr gefällt mir der Schreibstil nicht so sehr. Eigentlich sollte das Ganze auch auf einen Dialog mit dem treuen Betrachter hinauslaufen, aber das hätte dann doch nicht zu Jemand gepasst, der zu der geschilderten Zeit schon viel zu scheu für Dialoge ist. Jetzt muss ich mir eine andere Art von Kommunikation oder aber eine andere Möglichkeit von Humiliation ausdenken, die ihn in den Schatten stellt. Hier wird also noch dran gearbeitet.
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Eines Tages stand ich wieder vor dem Bild der Ausstellung. Mutter war tot, monatelang tot, aber ich konnte ihren alles umarmenden Trost spüren, als ich erneut diese Szene von überaus schöner Banalität betrachtete. Es war, als würde etwas Neues neue Schönheit erwecken, etwas Neues, das alles vorherige ungeschehen macht, zeitlos, einnehmend, einfach heilend. Du wünschtest, sagte eine Stimme in mir, treibend, rauchig, wie der sanfte Ton, wenn man den Finger auf etwas schleifen lässt, du wünschtest, du könntest auch nur erdenken, was sie fühlt.
Ich wünschte, ich könnte auch nur erdenken, was sie fühlt, sagte ich zu mir selbst und wünschte mir die Stimmte fort. Vor mir malten sich Farben an die Wand und ich glaubte zu verstehen, doch mit einem Blinzeln waren sie wieder verschwunden und ich konnte nur angestrengt versuchen die Erkenntnis zu rekonstruieren und schließlich aufgeben darüber nachzudenken.
Ich habe Mutter geliebt wie keinen Menschen auf dieser Erde sonst. Einmal brannte mein Heim ab, ich habe nicht einmal lange darüber nachgedacht, weil es Mutter gab. Nach Mutters Tod konnte ich lange Zeit keine Kerzen mehr anzünden, weil ich panische Angst hatte, etwas zu zerstören, etwas zu verlieren. Nachdem ich mir das Bild von Neuem betrachtet hatte, sammelte ich weggeworfendes Papier von der Straße und machte ein Feuer an einer windstillen Ecke des Gebäudes, wärmte mir daran die Hände, bis die Flammen nach wenigen Sekunden wieder in sich zusammen fielen. Es war an der Zeit wieder zu lieben wie keinen Menschen auf dieser Erde sonst. Ich beschloss das und besah mir den treuen Betrachter, der sich noch immer auf der vor das Bild verrückten Bank Tag für Tag niederließ, setzte mich schließlich neben ihn, um ihn doch wieder allein zu lassen. Ich war nie treu gewesen. Die Liebe zu einem Bild aber verlangt Tugend.
...
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Eines Tages stand ich wieder vor dem Bild der Ausstellung. Mutter war tot, monatelang tot, aber ich konnte ihren alles umarmenden Trost spüren, als ich erneut diese Szene von überaus schöner Banalität betrachtete. Es war, als würde etwas Neues neue Schönheit erwecken, etwas Neues, das alles vorherige ungeschehen macht, zeitlos, einnehmend, einfach heilend. Du wünschtest, sagte eine Stimme in mir, treibend, rauchig, wie der sanfte Ton, wenn man den Finger auf etwas schleifen lässt, du wünschtest, du könntest auch nur erdenken, was sie fühlt.
Ich wünschte, ich könnte auch nur erdenken, was sie fühlt, sagte ich zu mir selbst und wünschte mir die Stimmte fort. Vor mir malten sich Farben an die Wand und ich glaubte zu verstehen, doch mit einem Blinzeln waren sie wieder verschwunden und ich konnte nur angestrengt versuchen die Erkenntnis zu rekonstruieren und schließlich aufgeben darüber nachzudenken.
Ich habe Mutter geliebt wie keinen Menschen auf dieser Erde sonst. Einmal brannte mein Heim ab, ich habe nicht einmal lange darüber nachgedacht, weil es Mutter gab. Nach Mutters Tod konnte ich lange Zeit keine Kerzen mehr anzünden, weil ich panische Angst hatte, etwas zu zerstören, etwas zu verlieren. Nachdem ich mir das Bild von Neuem betrachtet hatte, sammelte ich weggeworfendes Papier von der Straße und machte ein Feuer an einer windstillen Ecke des Gebäudes, wärmte mir daran die Hände, bis die Flammen nach wenigen Sekunden wieder in sich zusammen fielen. Es war an der Zeit wieder zu lieben wie keinen Menschen auf dieser Erde sonst. Ich beschloss das und besah mir den treuen Betrachter, der sich noch immer auf der vor das Bild verrückten Bank Tag für Tag niederließ, setzte mich schließlich neben ihn, um ihn doch wieder allein zu lassen. Ich war nie treu gewesen. Die Liebe zu einem Bild aber verlangt Tugend.
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Sonntag, 25. Oktober 2009
אביתר בנאי - לילה כיום יאיר (Nuit blanche)
Evyatar Banai - Layla kayom yair
שוב אני נלחם
מגנט מושך למטה
זה בנקודות הקטנות
במילות עידוד
הפעם אנ'לא לבד
איזה קרב, אלוהים אדירים, איזה קרב
בין הבור למים
לפחות יש פה קרב
לפחות יש מים
פעם היה רק בור
לילה כיום יאיר...
אני מרתיח את המים
זיכרונות צפים
מאיימים לשרוף הכל
יש מגירות שעדיין אני לא פותח
עד שיוסיף בי אור
זה בנקודות הקטנות
במילות עידוד
לשרוך ת'נעליים
לכפתר את חולצת הכפתורים הלבנה
להציע לך כוס מים
לילה כיום יאיר...
לאורך הנחל שנובע בי
מבין העצים עומד הבית שלי
Shuv ani nilcham
Magnet moshech lematah
Zeh benekudot haktanot
Bemilot idud
hapa'am an'lo levad
Eyzeh krav, elohim adirim, eyzeh krav
Beyn habor lamayim
lefachot yiesh pah krav
lefachot yiesh mayim
pa'am hayah rak bor
Layla kayom yair...
Ani martyach et hamayim
Zeykhorunot tzefim
Mi'aymim lesrof hakol
Yiesh magirot shadayin ani lo poteach
Ad sheyuzif bi or
Zeh benekudot haktanot
Bemilot idud
Lisrot hayna'alayim
Lekofter et chultzah hakofterim halevanah
lehetzi leach koz mayim
Layla kayom yair...
Leorach hanachal shenuve'a bi
mibeyn ha'etzim umed habayit sheli
Et je me bats encore
Des aimants m'étirent
Ces petits trucs de rien
Dans les paroles d'encouragement
On n'est pas seule pour le coup
Qu'est-ce que ce combat, mon dieu, qu'est-ce
Là-bas dans la citerne
Au moins y a du combat
Au moins y a de l'eau
Une fois, y avait qu'une trou
La nuit luira comme le jour...
Je bous de l'eau
La souvenance me prend
Je risque de tout brûler
Il y a des tiroir que je n'ouvre toujours pas
Afin de me tenir dans la lumière
Ces petits trucs de rien
Dans les paroles d'encouragement
Attacher les lacets
Reboutonner une chemise blanche
T'offrir une verre d'eau
La nuit luira comme le jour...
Au long du fleuve qui m'arrose
Entre les arbres qui forment mon foyer
שוב אני נלחם
מגנט מושך למטה
זה בנקודות הקטנות
במילות עידוד
הפעם אנ'לא לבד
איזה קרב, אלוהים אדירים, איזה קרב
בין הבור למים
לפחות יש פה קרב
לפחות יש מים
פעם היה רק בור
לילה כיום יאיר...
אני מרתיח את המים
זיכרונות צפים
מאיימים לשרוף הכל
יש מגירות שעדיין אני לא פותח
עד שיוסיף בי אור
זה בנקודות הקטנות
במילות עידוד
לשרוך ת'נעליים
לכפתר את חולצת הכפתורים הלבנה
להציע לך כוס מים
לילה כיום יאיר...
לאורך הנחל שנובע בי
מבין העצים עומד הבית שלי
Shuv ani nilcham
Magnet moshech lematah
Zeh benekudot haktanot
Bemilot idud
hapa'am an'lo levad
Eyzeh krav, elohim adirim, eyzeh krav
Beyn habor lamayim
lefachot yiesh pah krav
lefachot yiesh mayim
pa'am hayah rak bor
Layla kayom yair...
Ani martyach et hamayim
Zeykhorunot tzefim
Mi'aymim lesrof hakol
Yiesh magirot shadayin ani lo poteach
Ad sheyuzif bi or
Zeh benekudot haktanot
Bemilot idud
Lisrot hayna'alayim
Lekofter et chultzah hakofterim halevanah
lehetzi leach koz mayim
Layla kayom yair...
Leorach hanachal shenuve'a bi
mibeyn ha'etzim umed habayit sheli
Et je me bats encore
Des aimants m'étirent
Ces petits trucs de rien
Dans les paroles d'encouragement
On n'est pas seule pour le coup
Qu'est-ce que ce combat, mon dieu, qu'est-ce
Là-bas dans la citerne
Au moins y a du combat
Au moins y a de l'eau
Une fois, y avait qu'une trou
La nuit luira comme le jour...
Je bous de l'eau
La souvenance me prend
Je risque de tout brûler
Il y a des tiroir que je n'ouvre toujours pas
Afin de me tenir dans la lumière
Ces petits trucs de rien
Dans les paroles d'encouragement
Attacher les lacets
Reboutonner une chemise blanche
T'offrir une verre d'eau
La nuit luira comme le jour...
Au long du fleuve qui m'arrose
Entre les arbres qui forment mon foyer
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Dienstag, 20. Oktober 2009
All die Farben: Klappentext
Jemand sieht Farben, die gar nicht da sind, und liebt eine verschwommene Erinnerung an Ideale, die er angestrengt mit Fetzen der Gegenwart zu restaurieren sucht. Jemand ist ein Philosoph ohne Realitätssinn, und versickert nach und nach mit einem dahinfließenden Was-einmal-gewesen-ist, an das er sich klammert, in einer schleichenden Krankheit, in der sich Erinnerung und Denken, Raum und Zeit auflösen, bis sie schließlich nur noch die Pole seines Ichs in leerem Raum zurücklässt. Die pathologische Symmetrie einer Welt ohne Gesellschaft und die Hilflosigkeit, mit der er ihr gegenübersteht, schließlich die Isolation stoßen Jemand voran in eine Richtung, in die niemand gehen sollte.
Mit seinem klaren Denken verschwinden auch die Eckpfeiler seiner Identität, ein längst verronnenes Bild von Weiblichkeit und seine Gefühlswelt, die sich eines Morgens selbst an die Wand malt. Jemandes physische und psychische Deprivation führen ihn in eine surreale Welt, in der kein Wert mehr Bestand hat.
All die Farben können nicht darüber hinwegtäuschen, dass Jemandes Leben verblasst. Sie erzählen von der sichersten Liebe, von den essentiellsten Ängsten und davon, wie tief das Netz im Drahtseilakt zu Existieren hängt.
Mit seinem klaren Denken verschwinden auch die Eckpfeiler seiner Identität, ein längst verronnenes Bild von Weiblichkeit und seine Gefühlswelt, die sich eines Morgens selbst an die Wand malt. Jemandes physische und psychische Deprivation führen ihn in eine surreale Welt, in der kein Wert mehr Bestand hat.
All die Farben können nicht darüber hinwegtäuschen, dass Jemandes Leben verblasst. Sie erzählen von der sichersten Liebe, von den essentiellsten Ängsten und davon, wie tief das Netz im Drahtseilakt zu Existieren hängt.
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Samstag, 17. Oktober 2009
All die Farben #14 - Lamah lo yiesh pah krav.
Lange lange nach Mutters Tod, Wochen nachdem die Farben an meiner Wand erschienen waren, kreuzte eine Hündin meinen Weg. Sie hatte braunes Fell und blasse Knöchel, um ehrlich zu sein blickte sie mit treuen, breiten Augen, um zu lügen senkte sie den Kopf und hob die Schultern und ließ sie dann wieder fallen. Sie erinnerte mich an eine Biene und summte Tage lang durch meinen Kopf und stach mich ein- oder zweimal in die Hüfte, ohne dass ich es ihr übel nahm, parierte. Eines Nachts erzählte sie mir von gelben Rosen und verdrehte meinen Verstand, roh hypnotisch, anziehend. Sie stellte die Streunerin und suchte dabei meinen Halt, gab mir lange Zeit das Gefühl, sie würde verwildern, wenn ich sie streunen ließe. Mein Verstand suchte lange Zeit nach Antworten, aber fand keine, war ja in die falsche Richtung verdreht, abgemagert und ausgezehrt. Die Hündin brachte ihm ein schönes Stück zum Reißen und sah sich am Zerreißen satt. Der Himmel war lange Zeit klar, blau, zerlief in ein unstetes Weiß der Sonne, zum Anbeißen. Die Sonne verebbte im Blau, zum daran Trügen. Sie trug ein Kind in sich und verlor es, panisch irreführend, verzweifelnd, dann war da kein Kind und kein Verlieren mehr, eine Lücke, und ich verstand nicht und die Wolken kamen nicht zurück, nur der Wind, der Wind, kühl, gesichtlos, farblos. Der Wind erinnerte mich ans Streunen und von einem Augenblick auf den anderen war die Hündin verschwunden ohne die Lücke zu schließen und ohne eine Antwort zu geben und ich wusste nicht, was geschehen war. Ich stand ohne Farbe und ohne Sinn und ohne Kind im Sturm und wusste nicht, was schlimmer war, zu verlieren, nichts verlieren zu können, die Lüge verloren zu haben an die Lüge nicht verlieren zu können zu verlieren. Im Sturm meiner Gedanken verlor ich den Verstand.
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Sonntag, 4. Oktober 2009
All die Farben #13 - L'Attente
Eine der ersten Marker für das Ende in Wohlgefallen. Diese Episode wird vermutlich den Epilog einläuten, den Epilog selbst würde ich gern im erzählenden Du schreiben, ob und wie das klappt, weiß ich allerdings noch nicht, weil es sehr schwer ist, Walther von der Vogelweide auf Prosa umzudenken und gleichzeitig eine Art Selbstgespräch zu innitiieren (Jemand reflektiert im Epilog mit sich selbst, hat aber sein Ich verloren, weshalb selbiges im Du impliziert werden muss, um nicht mit dem Monologstil zu brechen; gleichzeitig soll das Du aber in den Dialog mit dem Leser übergehen, damit der auch die Möglichkeit zur Reflexion hat - das schafft mir die Möglichkeit, noch einige Unklarheiten auzumerzen). Der Epilog soll sich hernach dann ein poetisches Kunstwerk schreien, weshalb ich ihn auch tatsächlich als allerletztes schreiben werde, um bis dahin so viel Erfahrung wie möglich zu sammeln. Ziel ist eine Form von Symbolismus, der sich durch die Motive in den vorangegangenen Episodentexten in sich selbst und im Projekt verliert.
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In meinem Zug steht ein Fenster offen, hinter mir, spaltbreit. Es ist kalt, aber mir brennt ein heißer Atem im Nacken. Rückenwind bin ich nicht gewohnt.
Ich beobachte eine Frau, die einen Säugling im Arm hält. In eine weiche Decke gehüllt, behütet, ich stelle mir vor, was für ein Gefühl das sein muss, Säugling zu sein. Noch hat ihm niemand weh getan, noch hat niemand seine Erwartungen enttäuscht. Noch hat niemand ihn weggesperrt, noch hat niemand sein Rückgrad gebrochen, noch hat niemand sein kleines Herz dazu gebracht aus seiner Brust springen zu wollen, noch hat niemand ihn zu wenig geliebt.
Zu wenig lieben. Der Gedanke ruft ein Lachen in mir hervor, das mir im Halse stecken bleibt. Kann man genug lieben? Wann liebt man genug? Wann liebt man vollkommen? Wann liebt man willkommen? Genug lieben. Kann man zu viel oder zu wenig lieben? Und wann ist es ausreichend, wie lange befriedigend? Liebt man um des Geliebtwerdens oder um des Liebens willen? Wann liebt man mehr?
Meer. Hier hält mein Zug für einen Augenblick inne, ich lehne mich in die Tür, betrachte Dünengras sich durch die Windböen schneiden, dann spülen in meinem Kopf die Wellen den Sand meiner Gedanken hinfort. Erleichtert, tatsächlich innehaltend, in Wellen und Wind verlieren sich die kleinen Wolken, die aus meiner Lok herausdampfen, verlieren sich, verschwämmen den Halt zu mehr Traum als Wahrheit. Einmal stand ich auf den Geleisen und fand keinen Weg herunter, doch seitdem ist viel Zeit vergangen.
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In meinem Zug steht ein Fenster offen, hinter mir, spaltbreit. Es ist kalt, aber mir brennt ein heißer Atem im Nacken. Rückenwind bin ich nicht gewohnt.
Ich beobachte eine Frau, die einen Säugling im Arm hält. In eine weiche Decke gehüllt, behütet, ich stelle mir vor, was für ein Gefühl das sein muss, Säugling zu sein. Noch hat ihm niemand weh getan, noch hat niemand seine Erwartungen enttäuscht. Noch hat niemand ihn weggesperrt, noch hat niemand sein Rückgrad gebrochen, noch hat niemand sein kleines Herz dazu gebracht aus seiner Brust springen zu wollen, noch hat niemand ihn zu wenig geliebt.
Zu wenig lieben. Der Gedanke ruft ein Lachen in mir hervor, das mir im Halse stecken bleibt. Kann man genug lieben? Wann liebt man genug? Wann liebt man vollkommen? Wann liebt man willkommen? Genug lieben. Kann man zu viel oder zu wenig lieben? Und wann ist es ausreichend, wie lange befriedigend? Liebt man um des Geliebtwerdens oder um des Liebens willen? Wann liebt man mehr?
Meer. Hier hält mein Zug für einen Augenblick inne, ich lehne mich in die Tür, betrachte Dünengras sich durch die Windböen schneiden, dann spülen in meinem Kopf die Wellen den Sand meiner Gedanken hinfort. Erleichtert, tatsächlich innehaltend, in Wellen und Wind verlieren sich die kleinen Wolken, die aus meiner Lok herausdampfen, verlieren sich, verschwämmen den Halt zu mehr Traum als Wahrheit. Einmal stand ich auf den Geleisen und fand keinen Weg herunter, doch seitdem ist viel Zeit vergangen.
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Sonntag, 27. September 2009
All die Farben #12 - La souvenance qui suivra
In meinerseitiger Ermangelung der Fähigkeit, diese Episode fertig zu schreiben und zu bearbeiten, bleibt sie hier als Entwurf stehen, bis sie vollendet ist. Die Schwierigkeit besteht hier in der Überwindung jeglicher Vorbehalte, die ich gegenüber lyrischen Bildern habe, die mir hier umso schwerer fällt, weil es sich um eine echte (um zu sagen: die erste richtige echte) Schlüsselszene handelt.
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Ihre Lippen sind ein Ufer, an dem mein Boot einst ablegte. Wir treiben hinaus, nur ein Stück. Wir treiben hinaus und in uns treibt ein tosendes Unwetter zur Rückkehr. Es regnet in meinem Mund, meinen Gaumen färbt ein farbloses Dunkelrosa. Ich werde taub für Donnerschläge. Schilfgras und See formen ein Lachen, das ich hören, aber nicht sehen kann. Unter meiner Zunge bildet sich ein mächtiger Tatendrang, eine bestreikte Fabrik von ungeschehenen Ereignissen, bringt mein Boot zum Kentern, taub, blind, wieder. Der See liegt mit einem Schlag still da wie ein unförmiges Spiegelglas, der Wind im Schilfgras verliert sich, alles wird stumm, meine Finger noch trocken, dann
Ich puhle Schnee unter meinen Nägeln hervor, Fäden winden sich durch mich hindurch. Ich fiebere, ich bin 5 Jahre alt, ich bin allein, ich bin
Einen Atemzug entfernt davon, gehen zu lassen, auftauchen, einfach so, doch
Sie ist alles, was ich kenne. Wartet unter Wasser, einfach so, ziellos. Meine Arme sind Algen und Schlamm, ich tauche ab.
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Ihre Lippen sind ein Ufer, an dem mein Boot einst ablegte. Wir treiben hinaus, nur ein Stück. Wir treiben hinaus und in uns treibt ein tosendes Unwetter zur Rückkehr. Es regnet in meinem Mund, meinen Gaumen färbt ein farbloses Dunkelrosa. Ich werde taub für Donnerschläge. Schilfgras und See formen ein Lachen, das ich hören, aber nicht sehen kann. Unter meiner Zunge bildet sich ein mächtiger Tatendrang, eine bestreikte Fabrik von ungeschehenen Ereignissen, bringt mein Boot zum Kentern, taub, blind, wieder. Der See liegt mit einem Schlag still da wie ein unförmiges Spiegelglas, der Wind im Schilfgras verliert sich, alles wird stumm, meine Finger noch trocken, dann
Ich puhle Schnee unter meinen Nägeln hervor, Fäden winden sich durch mich hindurch. Ich fiebere, ich bin 5 Jahre alt, ich bin allein, ich bin
Einen Atemzug entfernt davon, gehen zu lassen, auftauchen, einfach so, doch
Sie ist alles, was ich kenne. Wartet unter Wasser, einfach so, ziellos. Meine Arme sind Algen und Schlamm, ich tauche ab.
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All die Farben #11 - Wolken und Papierengel
Ein paar Monate vor Mutters Tod fuhren wir hinaus in die Natur, um Stille zu genießen. Das war ein Ritual geworden, andächtig, Energie suchend, kämpften um jeden Windhauch, luden uns Gerüche ein. Ein Ritual ist schön, wenn es sich von Mal zu Mal unterscheidet. Diesmal waren es die Wolken, der Himmel war grau verhangen, so sehr, dass nichts mehr einen Schatten warf, trübselig, blass. Doch Mutter sang ein Lied von Wolken, sie sang es den ganzen Tag und summte es noch auf der Heimreise. Wolken erinnerten mich immer an Schlaf, Wolken erinnerten mich an das dösige Gefühl, das man an warmen Sommernachmittagen hat, Wolken erinnerten mich an ein Kissen, das man auf die kühle Seite gedreht hat. Wolken erinnerten mich.
Mutter fühlte sich nicht gut an jenem Tag, wusste das aber umso besser zu überspielen. Als wir uns zur Rast auf eine Bank setzten, faltete sie mir aus einer Serviette einen Papierengel. Und dann noch einen. Und dann riss sie einen davon entzwei und sang wieder von den Wolken, sodass es mich gar nicht weiter kümmerte. Die Wolken waren überall, immer da. Den verbliebenen Engel nahm ich mit nach Haus und hütete ihn wie ein Kleinod, bis er mir irgendwann in einer unachtsamen Minute entglitt und verschwunden war. Ich scherte mich nicht sehr darum, weil ich in diesem Augenblick wieder an die Wolken denken musste und Mutters Stimme mir leise eine liebenswerte Geschichte ins Ohr setzte.
Ich tauche meinen Kopf unter Eiswasser, bis er so sehr schmerzt, dass meine Gedanken aufhören zu rasen. Ich halte es für eine gute Idee, mich kurz aus dem geöffneten Fenster zu legen, doch selbst durch die Nacht und den Lichtsmog hindurch kann ich die Silhouetten am Himmel erkennen. Es ist das dunkelste Violett an meiner Wand, ein unruhiges, bizarres Violett, das ich nicht aus meinem Kopf bekommen kann. Wieder Eiswasser. Wieder Schmerz und Erleichterung, aber alles hier hat die Farbe von Wolken, in mir breitet sich ein niederdrückendes Gefühl aus, ein Gefühl, als könne ich die Augen nie wieder schließen und müsse sehen, was da um mich herum ist. Meine Panik ist so komplett, so komplett, so komplett, roh, hypnotisch, Wild mit Weiß in den Augen. Ich muss die Wolken vom Himmel reißen, der Gedanke daran nimmt mir kurz die Panik, dann erinnern mich die langen Schatten der Tapetenfasern an meiner Decke daran, dass meine Arme zu kurz sind. In mir scheitert ein Fluchtimpuls an einem übergroßen, dunklen Mann, der mir das Steuer entreißt und mich zu Boden hält. Ein heißer Schmerz zerreißt mich wie Papier, dann still, ganz still, in mir summt leise eine fremde Stimme. Ich liege gebrochen auf einem Teppich und zähle abstrakte Muster und Wellen, die ich mit den Fingerspitzen berühren kann. Ich krieche noch liegend eine Handlänge weiter und schlage mehrmals den Hinterkopf gegen die Wand, dann kann ich endlich auf dem Fußboden einschlafen.
Mutter fühlte sich nicht gut an jenem Tag, wusste das aber umso besser zu überspielen. Als wir uns zur Rast auf eine Bank setzten, faltete sie mir aus einer Serviette einen Papierengel. Und dann noch einen. Und dann riss sie einen davon entzwei und sang wieder von den Wolken, sodass es mich gar nicht weiter kümmerte. Die Wolken waren überall, immer da. Den verbliebenen Engel nahm ich mit nach Haus und hütete ihn wie ein Kleinod, bis er mir irgendwann in einer unachtsamen Minute entglitt und verschwunden war. Ich scherte mich nicht sehr darum, weil ich in diesem Augenblick wieder an die Wolken denken musste und Mutters Stimme mir leise eine liebenswerte Geschichte ins Ohr setzte.
Ich tauche meinen Kopf unter Eiswasser, bis er so sehr schmerzt, dass meine Gedanken aufhören zu rasen. Ich halte es für eine gute Idee, mich kurz aus dem geöffneten Fenster zu legen, doch selbst durch die Nacht und den Lichtsmog hindurch kann ich die Silhouetten am Himmel erkennen. Es ist das dunkelste Violett an meiner Wand, ein unruhiges, bizarres Violett, das ich nicht aus meinem Kopf bekommen kann. Wieder Eiswasser. Wieder Schmerz und Erleichterung, aber alles hier hat die Farbe von Wolken, in mir breitet sich ein niederdrückendes Gefühl aus, ein Gefühl, als könne ich die Augen nie wieder schließen und müsse sehen, was da um mich herum ist. Meine Panik ist so komplett, so komplett, so komplett, roh, hypnotisch, Wild mit Weiß in den Augen. Ich muss die Wolken vom Himmel reißen, der Gedanke daran nimmt mir kurz die Panik, dann erinnern mich die langen Schatten der Tapetenfasern an meiner Decke daran, dass meine Arme zu kurz sind. In mir scheitert ein Fluchtimpuls an einem übergroßen, dunklen Mann, der mir das Steuer entreißt und mich zu Boden hält. Ein heißer Schmerz zerreißt mich wie Papier, dann still, ganz still, in mir summt leise eine fremde Stimme. Ich liege gebrochen auf einem Teppich und zähle abstrakte Muster und Wellen, die ich mit den Fingerspitzen berühren kann. Ich krieche noch liegend eine Handlänge weiter und schlage mehrmals den Hinterkopf gegen die Wand, dann kann ich endlich auf dem Fußboden einschlafen.
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