Montag, 16. November 2009

Wegbruch, Abbruch, Aufbruch und Flucht nach vorn

Ich habe gestern Nacht wieder viel Geld ausgegeben. Und meine Vorliebe für Zweideutigkeit wiederentdeckt! ._."

Mir ist mein Schlafrhythmus komplett unter den Füßen weggebrochen; ich bin 5°° ins Bett und hab dank meiner Tabletten den Wecker ignoriert und bis 14°° durchgeschlafen, sodass es schon wieder dämmerte, als ich mein Frühstück gemacht habe. Morgen ist aber der Tag der großen Aktionen, vielleicht mach ich die Nacht durch und repariere mein Fahrrad und fahre dès l'aube auf die Felder. Ich muss endlich mal wieder mit meiner Kamera auf die Pirsch gehen.

Dafür ist auch das viele Geld draufgegangen: Ich lege mir ein Makroobjektiv mit Festbrennweite zu, das Canon EF-S 60mm/ 2,8/ USM, das diese Woche eintreffen sollte. Auf diese Weise stelle ich sicher, dass ich was zum Ausprobieren hab und vor allem, dass ich nicht soviele Probleme mit den Lichtverhältnissen bekomme (auch wenn das Objektiv von Canon ist, in der Preislage sind Festbrennweiten unheimlich lichtstark) und der Autofokus auch scharf stellt. Ich habe endlich gecheckt, dass mein Kitobjektiv so ein Montagsexemplar ist, der Autofokus hat kontinuierlich Probleme damit, der ganze unscharfe Ausschuss lag also nicht vollständig an mir. Das ist schonmal was.
Zum Originalpreis hin habe ich sogar mehr als 100 Euro gespart, ab heute klettert der Preis schon wieder und das Objektiv ist beim selben Anbieter schlagartig 20 Euro teurer.

Trotzdem fällt das so langsam alles unter eine allgemeine Kaufsucht, die ich zwar sehr überspitzt so betitele, aber die ich dringend in den Griff bekommen muss. Es braucht Disziplin, auf das Jahresende zuzusparen, wenn man mit so viel Sold beschenkt wird - ich verdiene netto etwa 3mal soviel wie mein Bruder brutto, trotzdem schreit in mir alles "Abbruch, Abbruch!!!".
Mit Beginn 2010 will ich mir wieder was ganz großes leisten: Meine geliebe Panasonic Lumix DMC-GH1, die zu kaufen ich eigentlich schon fest beschlossen hatte, worüber ich aber nochmal mit meinem Vater plauschen und auf alle Fälle bis zu einem gewissen Kontostand und bis zum neuen Jahr warten will. Bis dahin sollte sie auch schon wieder um ca. 10% billiger sein.
Mir ist dieser Kauf ein inneres Bedürfnis; die Canon ist mir zu mackig geworden, ich mag Mommy Fortuna noch sehr, aber ich will mit ihr nicht mein ganzes Leben verbringen. Ich habe mit ihr viel gelernt und bin ziemlich früh an Grenzen gestoßen, die ich nicht mit Können ausbügeln kann, dafür bin ich zu verwöhnt und zu ungeduldig. Ich weiß jetzt aber, worauf ich achten muss und was sozusagen meine "Fotobedürfnisse" sind. Auf Grundlage dessen reicht mir eine herkömmliche Billig-DSRL nicht mehr aus, vor allem bin ich Canon gegenüber etwas misstrauisch geworden, weil die fehlerhaften Objektive keine Seltenheit zu sein scheinen und die jedes Quartal eine neue EOS x00D/x50D rausbringen, in die nur noch mehr unausgereifter Schnickschnack reingestopft wird, um den Käufer bei der Quelle zu halten. Der Billigsensor und die wirklich fragwürdige Videofunktion der 500D sind da die plakativsten Beweise.
Um die Videofunktion der Lumix dreht sich auch das Hauptaugenmerk meiner Liebe, nämlich die Fähigkeit, mit fotographischen Mitteln zu filmen, und das ohne 3000 Euro für so einen riesen Camcorder-Klopper rauszuhauen. Das wird dann die nächste Stufe meines dilettantischen Schaffens.

Das alles wirkt immer mehr auf den Aufbruch hin, auf das Studieren im Herbst nächsten Jahres, das Bewerben im Frühjahr davor. Ich habe nun eine kleine Auswahl an Unis, die Studiengänge anbieten, die mich interessieren würden und auf die ich auch eine mehr oder eher weniger reale Chance habe:
1. Die FU Berlin, eigentlich mein derzeitiger Favorit im Punkto Studienmöglichkeiten: B.A. 'Filmwissenschaft' kombiniert mit dem Modulangebot in 'Französische Philologie' (NC: ja, WaSe: ja, AdH: ja, Nachrückverfahren möglich).
Hier hab ich die besten Chancen auf ein relativ ästhetisch ausgerichtetes Studium und einen für für mich infrage kommende Masterstudiengänge nötigen Abschluss, ohne dabei zu sehr eingeengt zu werden oder in irgendeine freakige Mindfuck-Bude zu kommen.
2. Das DLL, an dem ich mich vermutlich nur noch aus Prinzip bewerben werde, ich weiß nicht warum und finde es ein bisschen schade, aber Leipzig hat seinen Reiz verloren, seit ich einigermaßen Deutsch sprechen kann: B.A. 'Literarisches Schreiben' (NC: nein, WaSe: nein, AdH: Arbeitsproben und Auswahlgespräch, offensichtlich kein Nachrückverfahren).
Mit All die Farben werde ich bis dahin wohl locker auf 20 Seiten kommen und wenn ihnen das nicht gefällt, dann ist mir das quasi egal. Für eine Wenn-alle-Stränge-reißen-Lösung ist es mir das ganze dann aber doch wert, vor allem wegen der Vorlesungen im Foyer, dort ist es gemütlich.
3. Uni Mainz: B.A. 'Filmwissenschaft' als Hauptfach, 'Französisch/Romanische Philologie' als Nebenfach (NC: ja, WaSe: ja, AdH: richtet sich derzeit nur nach der Abiturnote, Nachrückverfahren möglich).
An der Uni Mainz sind meine Chancen auf ein Studium praktisch sogar noch kleiner als in Berlin, weil man mit einer 2,-Abiturnote nunmal nicht viel reißt, aber zumindest für das Nachrückverfahren oder über meine zwei Wartesemester könnte es fast reichen. Mainz wäre nicht unbedingt mein Wunschstandort, aber vermutlich würde ich die Uni dem DLL sogar noch vorziehen.
4. HfBK Hamburg: B.A. 'Bildende Künste' mit Ausrichtung auf "Film" und Modulen aus "Grafik/Typographie/Fotographie", "Malerei/Zeichnen", "Geschichte und Theorie" (NC: nein, WaSe: nein, AdH: Arbeitsproben und eventuelles Auswahlgespräch, Studienantritt für Bewertungsebene A und B Nachrückverfahren bevorzugt für die Bewertungsebene C, danach D).
Ich hab mich die letzten Tage (erneut, ich hatte das schonmal in Erwägung gezogen, allerdings noch vor der BeLL und dem Kram) ziemlich intensiv mit der HfBK beschäftigt. Neben Film, Typographie/Fotographie interessieren mich eben auch ein paar Angebote aus Zeichnen und aus der Theorie. Das tolle ist hier, dass man unglaublich frei wählen und damit sein Studium individuell mit Schwerpunkten versehen kann, eine große Bandbreite an Werkstätten hat und praktisch an der Quelle für junge Hamburger Kunst sitzt. Damit einher geht natürlich auch meine Befürchtung, dass genau hier die ultrakrasseste Mindfuck-Bude zu finden ist und die Mitstudenten alle so lackierte Vollpfosten sind, die man zwar für ihre Arbeit bewundern kann, die sozial aber nur in der Gruppe der eminenten lackierten Vollpfosten existieren. Trotzdem reizt mich der Gedanke an Freiheit und gleichzeitig die gewonnene Bindung an Hamburg, hier zu studieren.
5. Uni Hamburg: B.A. 'Französisch' und 'Deutsche Sprache und Literatur', Hauptfach-Nebenfach-Entscheidung steht noch aus (NC: für Deutsch ja, Französisch nein, WaSe: ja, AdH: ja, Nachrückverfahren meist unnötig).
Die Chancen, an der Uni HH angenommen zu werden, sind die größten, weil die Anzahl der vergebenen Studienplätze meist die Bewerberzahl übersteigt (und das Hamburger Auswahlverfahren ist irgendwie komisch einfach). Die Uni HH würde ich dem DLL vorziehen, mit Mainz hält sie sich in etwa die Waage, weil dort das Studienangebot eher zu meiner Zielsetzung passt, mich hier aber der Standort lockt. Hier habe ich auch die wenigstens Befürchtungen, ob mir das Studium denn gefallen wird, weil Aufbau und Struktur ziemlich konservativ sind und die Fächer nahezu gänzlich meinen fakultativen Interessen gehorchen.

Eigentlich wollte ich mich ja auch noch irgendwo in Frankreich bewerben, aber dafür müsste ich erst die nächsthöhere Sprachqualifikation vorweisen und überhaupt wird mir das zu kompliziert und zu beängstigend fremd und kommt nicht wirklich infrage.


Mit All die Farben nur sehr schleppend voran. Ich habe bereits 4 neue Episoden angefangen, 2 wieder verworfen, bei einer stecke ich vollkommen im Schlamm und die andere muss sowohl inhaltlich als auch stilistisch noch gründlich überarbeitet werden. Ich brauche mal wieder ein paar Geistesblitze.

Währenddessen geht es mit neuen Projekten gar nicht so schlecht voran. Aufbauen auf einem Buch, das ich mir von zu Hause ausgeliehen habe, werde ich wohl ein letztes großes Mal meinen Camcorder bemühen und mit einer Filmarbeit beginnen. Entstehen sollen kurze, abstrakte Montagen, die sich über Charaktermonologe aus dem Off aufbauen und wenig bis gar keine Handlung besitzen. Es geht allein darum, einen Gedanken oder ein Gefühl zu abstrahieren und zu untermalen. Ich will damit meine bisher sehr stark vernachlässigte Fähigkeit austesten und erweitern, Bild, Ton und Aussage mit einer Gesamtintention zu vereinen. Wenn das Projekt meine Erwartungen erfüllt, wird es Teil meiner Bewerbung an der HfBK.

Zuguterletzt noch etwas sehr Erfreuliches: Für DGS I wurde an der Volkshochschule ein zweiter Kurs eingerichtet, sodass ich ab Anfang Januar meine Montagabende nun immer mit Kursen füllen kann. Und damit geben wir zurück zum Nachprogramm.

Freitag, 6. November 2009

אביתר בנאי - יש לי סיכוי (J'ai la chance d'être sauvé)

Evyatar Banai - Yiesh li zikui

יש לי סיכוי להינצל אני יודע
אני אוכל להתעורר להתפכח
אני אוכל עוד לדבר באהבה
על עצמי ועל העיר ועל אשה

כבר עכשיו אני פחות כועס
וגל שקט של רגש מתפקע
אמא שרה לבן בלילה
אמא כאן לידך כל הזמן

אני מרגיש שמשהו משתנה
העייפות תחלוף האור יעלה
ואז אכיר אותך יקירתי
ומיד תכירי את אותי

תמיד פחדתי להשתגע
שהלב יקפא ויתרוקן
אבל עכשיו כמו שאני יושב
יש לי סיכוי להינצל אני חושב



Yiesh li zikui lehinatzel ani yodea
Ani ukhal lehitorer lehitpakeach
Ani ukhal od ledaber vehavah
Al etzmi ve-al hair ve-al ishah

Kvar akhshayv ani pachot koez
Vegal shaket shel ragesh mitpakea
Ima sharah laben balaylah
Ima kan leyodcha kol hazman

Ani margish shemashuv mishtaneh
Ha'ayefut tachlof ha'or ya'aleh
Ve'az akir utach yekirati
Umyad tekiri at uti

Tamid pachadeti lehishtage'a
Shehalev yikpa veyitorbken
aval akhshayv kemo shani yushev
Yiesh li zikui lehinatzel ani khoshev



Y a de la chance d'être sauvé, je le sais
Je peut m'éveiller tout dégrisé
Je peut toujours parler des louanges
De moi-même et de cette ville et de cette femme

Maintenant, je suis moins fâché, moi
Une vague des émotions tranquilles me baigne
Mère Sarah, c'est une nuit blanche
Mère, j'étais chez toi tout le temps

J'éprouve quelque chose se changer
La fatigue sera débusquée par la lumière
C'est là que je me présenterai, bien-aimée
Et tu me connaîtras

Depuis toujours, j'ai eu peur de devenir fou
Que mon cœur s'efface dans le froideur
Mais maintenant comme je m'y arrête
Y a de la chance d'être sauvé, je crois

Montag, 2. November 2009

All die Farben #15 - Mutters kurzer Trost

Diese Episode gefällt mir noch nicht so gut, wie sie es sollte. Viel mehr gefällt mir der Schreibstil nicht so sehr. Eigentlich sollte das Ganze auch auf einen Dialog mit dem treuen Betrachter hinauslaufen, aber das hätte dann doch nicht zu Jemand gepasst, der zu der geschilderten Zeit schon viel zu scheu für Dialoge ist. Jetzt muss ich mir eine andere Art von Kommunikation oder aber eine andere Möglichkeit von Humiliation ausdenken, die ihn in den Schatten stellt. Hier wird also noch dran gearbeitet.
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Eines Tages stand ich wieder vor dem Bild der Ausstellung. Mutter war tot, monatelang tot, aber ich konnte ihren alles umarmenden Trost spüren, als ich erneut diese Szene von überaus schöner Banalität betrachtete. Es war, als würde etwas Neues neue Schönheit erwecken, etwas Neues, das alles vorherige ungeschehen macht, zeitlos, einnehmend, einfach heilend. Du wünschtest, sagte eine Stimme in mir, treibend, rauchig, wie der sanfte Ton, wenn man den Finger auf etwas schleifen lässt, du wünschtest, du könntest auch nur erdenken, was sie fühlt.
Ich wünschte, ich könnte auch nur erdenken, was sie fühlt, sagte ich zu mir selbst und ärgerte mich, nicht selbst auf diesen Gedanken gekommen zu sein, und wünschte mir die Stimmte fort. Vor mir malten sich Farben an die Wand und ich glaubte zu verstehen, doch mit einem Blinzeln waren sie wieder verschwunden und ich konnte nur angestrengt versuchen die Erkenntnis zu rekonstruieren und schließlich aufgeben darüber nachzudenken.
Ich habe Mutter geliebt wie keinen Menschen auf dieser Erde sonst. Einmal brannte mein Heim ab, ich habe nicht einmal lange darüber nachgedacht, weil es Mutter gab. Nach Mutters Tod konnte ich lange Zeit keine Kerzen mehr anzünden, weil ich panische Angst hatte, etwas zu zerstören, etwas zu verlieren. Nachdem ich mir das Bild von Neuem betrachtet hatte, sammelte ich weggeworfendes Papier von der Straße und machte ein Feuer an einer windstillen Ecke des Gebäudes, wärmte mir daran die Hände, bis die Flammen nach wenigen Sekunden wieder in sich zusammen fielen. Es war an der Zeit wieder zu lieben wie keinen Menschen auf dieser Erde sonst. Ich beschloss das und besah mir den treuen Betrachter, der sich noch immer auf der vor das Bild verrückten Bank Tag für Tag niederließ, setzte mich schließlich neben ihn, um ihn doch wieder allein zu lassen. Ich war nie treu gewesen. Die Liebe zu einem Bild aber verlangt Tugend.

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